Biographie

Wolf Roth wurde am 30. August 1944 in Torgau geboren. Sein Vater war Dermatologe, die Mutter Lehrerin in Bremen.

In seinen jungen Jahren wollte Wolf Roth Pianist werden. Seinen ersten Beethoven-Abend gab er bereits als Zwölfjähriger. Im Alter von 16 Jahren kam er als Austauschschüler in die USA und schloss dort mit der Graduation ab. Das deutsche Abitur holte er in Bremen nach. Er ging dann nach Berlin, - und zwar nicht an die Musikhochschule - inzwischen war ihm klar geworden, dass er die klassische Musik als Hobby, aber nicht als Beruf weiter ausüben möchte - , sondern an die Freie Universität, um Soziologie, Philosophie und Volkswirtschaft zu studieren.

Um sein Studenteneinkommen zu verbessern, jobbte er als Klavierspieler in einigen Bars, verkaufte Brathähnchen am Nollendorfplatz, war gelegentlich als Taxifahrer unterwegs, teilte in der Früh Zeitungen aus oder arbeitete als Statist am Staatstheater in Berlin. Hier entdeckte er für sich den Beruf des Schauspielers. Nach zwei Jahren an der Universität entschloss er sich, die Aufnahmeprüfung an der Max-Reinhardt-Schule zu absolvieren. Die Ausbildung war nur von kurzer Dauer, denn sein späterer Mentor Boleslaw Barlog, - Intendant der Staatlichen Schauspielbühnen Berlins -, nahm ihn nach einem Vorsprechen unter seine Fittiche. Unter der Regie seines Mentors spielte er 1967 den Emeljan Černozemnyj in “Quadratur des Kreises“ von Valentin Petrovič Katajev. Das Stück wurde 1968 für das Fernsehen aufgezeichnet. 



Es folgten zwei Jahre intensiver Bühnenerfahrung am Theater in Oberhausen. Hier spielte er den Paris in Peter Hacks “Schöne Helena“, den Franz in Schillers “Die Räuber“, die Hauptrollen in “Staatsexamen“ (Vampilov), “Halb auf dem Baum“ (Ustinov), “Was ist an Tolen so sexy“ (A. Jellicoe). Er lernte Peter Handke kennen und spielte die Uraufführungen seiner Stücke „Hilferufe“, „Weissagung“, „Kaspar“ und „Selbstbezichtigung“. Peter Handkes Gastspiele führten ihn nach Oslo, Kopenhagen, Stockholm und Paris.

1969 holte ihn Viktor de Kowa für die deutsche Erstaufführung der Komödie “Einmal im Jahr“ (Avanti, Avanti!) von Samuel Taylor an das Berliner Theater. In der Rolle des Baldo Pantaleone begeisterte er in 160 Vorstellungen das Berliner Publikum und hatte damit seinen Durchbruch geschafft. Im selben Jahr drehte er seinen ersten Kinofilm “Perrak“ (Rolle:Nick)unter der Regie von Alfred Vohrer und übernahm seine erste Fernsehhauptrolle (Kil)in “Die Sprachlosen“ von Lodewijk de Boer unter der Regie von Rainer Wolffhardt. Im Sommer folgte er einer Einladung der „American National Theatre and Academy“, eine Vortragsreihe über das deutsche Repertoiretheater zu halten.

In New York lernte er Stephen Sondheim, Leonard Bernstein und Elia Kazan kennen. Letzterer bot ihm eine große Rolle in seinem Film “America America“ an. Leider scheiterte die Verpflichtung an der Weigerung der amerikanischen Gewerkschaft, Wolf Roth ein Arbeitsvisum zu erteilen.

Zurück in Berlin, lag ein Angebot der Schaubühne am Halleschen Ufer vor, für die Berliner Festwochen 1970 den Baal in Bertolt Brechts gleichnamigem Stück zu spielen. Der große französische Darsteller, Pantomime und Regisseur Jean-Louis Barrault („Les enfants du paradis“) wollte ihn sofort für diese Rolle an seine Compagnie Renaud-Barrault engagieren, doch Wolf Roth konnte sich nicht vorstellen, in verhältnismäßig kurzer Zeit die französische Sprache so zu erlernen, dass er in ihr auch spielen kann, und sagte schweren Herzens ab. Im selben Jahr drehte er mit Wolfgang Petersen dessen Abschlussarbeit für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin “Ich werde dich töten, Wolf“. Der Film lief als Informationsbeitrag bei den Berliner Filmfestspielen und wurde für Wolfgang Petersen zum Sprungbrett für seine legendären NDR-„Tatort“-Krimis “Blechschaden“ (1971), “Strandgut“ (1972), “Jagdrevier“ (1973) und “Kurzschluss“ (1975), in denen Wolf Roth an der Seite von Klaus Schwarzkopf (Kommissar Finke) dessen Assistenten spielte.

Noch im Jahr 1970 hatte Wolf Roth Premiere in der deutschen Erstaufführung der Komödie “Tschau“ von Marc-Gilbert Sauvajons unter der Regie von Wolfgang Spier. Die Aufführung wurde für das Theater am Kurfürstendamm ein großer Erfolg und zum „Dauerbrenner“. Für die Spielzeit 1971/72 holte ihn Hansjörg Utzerath an die Freie Volksbühne Berlin und inszenierte mit ihm und Anneliese Römer “Das Mandat“ von Nikolaj Erdman (Rolle: Pavel Gulačkin) und die deutsche Erstaufführung von Joseph Papps „Nackter Hamlet“ (Rolle: Hamlet). Zu dieser Zeit drehte er in Berlin die Hauptrollen in dem Fernsehfilm “Leiche gesucht“ (1971, Wanted-One Body) mit Gisela Uhlen (Regie: Ottokar Runze) und in Jugoslawien mit Christiane Schröder “Der verliebte Teufel“ (1971) von Jean Anouilh unter der Regie von Rainer Wolffhardt (Preis der HÖRZU). Anfang 1972 ging er mit Hannes Messemer und Ruth Hausmeister mit dem Stück “Seid nett zu Mr. Sloane“ (Rolle:Sloane) auf seine erste Deutschlandtournee. Im gleichen Jahr drehte er Episodenrollen in “Der kleine Doktor“ (Besuch aus Paris) und in “Der Kommissar“ (Das Komplott) unter der Regie von Wolfgang Staudte. 1973 drehte er in Berlin an der Seite von Wolfgang Kieling und Horst Bollmann die Hauptrolle in dem TV-Film “Einladung zur Enthauptung“ von Vladimir Nabokov. Danach folgte er dem Ruf von Hansjörg Utzerath an das Düsseldorfer Schauspielhaus, um dort die Uraufführung von Peter Rühmkorfs “Was heißt hier Volsinii“ zu spielen. Hier trat er auch als Carlos in Schillers “Don Carlos“ auf und ging anschließend mit dem Stück auf Deutschlandtournee (Marquis von Posa: Christian Quadflieg).

1974 holte ihn Kurt Hübner für seine “Macbeth“-Inszenierung (Rolle: Banquo) zurück an die Freie Volksbühne Berlin. Im gleichen Jahr drehte er mit Wolfgang Petersen den Kinofilm “Einer von uns beiden“ (Rolle: Hohenberg) und die TV-Filme “Die preußische Heirat“ (Regie: Helmut Käutner) sowie “Zinngeschrei“ (Regie: Ludwig Cremer). Noch an der Volksbühne spielte er mit Margit Carstensen und Kurt Raab unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder in dessen Stück “Bremer Freiheit“ den Miltenberger. Diese Inszenierung ging anschließend auf Deutschlandtournee.

1975 begannen die Dreharbeiten zu der 13-teiligen Miniserie “Peter Voss, der Millionendieb“ (Rolle: Peter Voss), die ihn um die ganze Welt führten und seinem Leben eine entscheidende Wendung gaben. In Bangkok lernte er die amerikanische Pianistin, Jazzsängerin, Komponistin und Texterin Chris Bennett kennen. Nach Abschluss der Dreharbeiten heirateten die beiden 1976 in Marshall /Illinois. Ihre Wohnorte waren  von nun an Los Angeles, Berlin und München.

Seinen Einstieg ins amerikanische Filmgeschäft und die damit verbundene unbeschränkte Arbeitserlaubnis verdankte er dem Produzenten Robert E. Relyea (“Bullitt“ ,“Le Mans“), der ihn unter mehr als 500 Bewerbern für eine Hauptrolle (Erik) in dem TV-Film “High Risk“ aussuchte. Es folgten Gastrollen in “Quincy“ (1977), ”DOA: Delirious on Arrival“, “Rules to Die By“, “Night of the Scorpion“ und dem Remake von “African Queen“ mit Warren Oates und Mariette Hartley.

Mit Fritz Hochwälders “Der Flüchtling“ sowie mit Goethes “Stella“ (Fernando) ging Wolf Roth 1977 und 1978  abermals auf Deutschlandtournee. 1978 drehte er mit Rainer Erler in Brasilien den Film “Plutonium“ und ein Jahr später in Amerika den Kultfilm “Fleisch“. 1980 - Wolf und Chris waren gerade geschieden - holte ihn Boy Gobert zurück an das Staatstheater Berlin. In der deutschen Erstaufführung von Gerhard Roths “Sehnsucht“ unter der Regie von Dietmar Pflegerl spielte er am Schlossparktheater die Hauptrolle.

Mit der bekannten französischen Darstellerin Juliet Berto dreht er im gleichen Jahr in Spanien die Komödie “Mona und Marilyn“. Es folgte der Kinofilm “Feine Gesellschaft – beschränkte Haftung“ mit Lilly Palmer und Elisabeth Bergner, der außer Konkurrenz beim Berliner Filmfestival 1982 erstmals gezeigt wurde. Die Dreharbeiten zur Serie “Goldene Zeiten – Bittere Zeiten“ führten ihn ein Jahr später auch nach Österreich und hier lernt er 1983 die Tänzerin und Schauspielerin Barbara May kennen. Die beiden heiraten 1984 in Los Angeles. Bis 1995 drehte Wolf Roth nicht nur große Rollen in über 18 TV-Filmen, sondern auch die Hauptrollen in den Serien “Red Elephants“ (Karl Wegener), “Sinfonia“ (“In bester Gesellschaft“), “Das Erbe der Guldenburgs“ (Thomas Graf Guldenburg), “Praxis Bülowbogen“ (Rolle: Carlos Neuhaus), “Air Albatros“  sowie “Happy Birthday“(Dr.Greese). Außerdem spielte er Episodenrollen in 17 Folgen von “Derrick“, in 15 Folgen von “Der Alte“, in 7 Folgen von “Siska“ sowie in “Die Männer vom K3“, “Sonderdezernat K1“, “Wolffs Revier“, “Anwalt Abel“, “Polizeiruf 110“, “Der Clown“, “Ein Fall für Zwei“, “SOKO Leipzig“, “Edel & Stark“ sowie in 5 “Weißblaue Geschichten“.

In diesen Jahren reiste er auch mit den Tourneeproduktionen “Aus Mangel an Beweisen“ (Regie und Hauptrolle), “Hochzeitsreise“ („Private Lives“ von Noёl Coward), “Der Snob“ von C. Sternheim (Rolle: Maske) durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er inszenierte mit Fritz Wepper in der Hauptrolle die Komödie “Ankomme Dienstag – STOP – fall nicht in Ohnmacht“ und spielte 1987 unter der Regie von Wolfgang Spier die Hauptrolle in dem Dauerbrenner “Auf und Davon“ an der Komödie in Berlin sowie später am Winterhuder Fährhaus in Hamburg. Seine letzten Theaterarbeiten waren “Die Physiker“ (Dürrenmatt, Rolle: Möbius) mit Maria Becker am Renaissance-Theater Berlin (1990) und “Revanche“ (A.Shaffer, Rolle: Tindle) mit Rolf Henniger am „Theater am Kurfürstendamm“ (1991).

Im Jahre 1993 – mit 49 Jahren – wurde Wolf Roth Vater. David Christopher wurde geboren, und das Glück war perfekt! Wolf Roth entschied sich nun gegen längere beruflich bedingte Auslandsaufenthalte sowie langfristige Theaterengagements. Seine vorerst letzte amerikanische Produktion “The Shift“ drehte er im Jahr 2000 in Kanada.
Im Jahr 2004 gründete seine Frau in Wien die erste bilinguale Schauspielschule für Theater und Film im deutschsprachigen Raum www.filmacademy.at, und nach vielen Jahren des stetigen Reisens hat Wolf Roth im Jahre 2008 seine neue Heimat in Österreich gefunden.